Der Countdown läuft

08. Februar 2010

Der Countdown läuft: Am Mittwoch (20.30 Uhr) steigt das große Spiel, das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Schalke 04. 50.000 Karten, so schätzt VfL-Geschäftsführer Ralf Heskamp hätten die Osnabrücker verkaufen können. 16.130 werden nun im Stadion dabei sein, doch in der Stadt und im Landkreis wird es viele kleine „Bremer Brücken“ geben: Public viewing ist das Gebot der Stunde. Vom Soccer Center in Sutthausen und die Lagerhalle bis hin zu den großen und kleinen Kneipen – überall stehen Großbildleinwände, um den Fans das Gemeinschaftserlebnis zu ermöglichen.

Derweil stecken Trainer und Mannschaft im Medienstress. In der letzten Woche kam das ZDF zu einem Dreh für einen Vorbericht, der in der ZDF-Sportreportage am Sonntag gesendet wurde. Der Flutlicht-Mythos wurde erklärt (dafür wurde am vergangenen Mittwoch in der Osnatel-Arena eigens das Flutlicht eingeschaltet!), Trainer Karsten Baumann und Manager Lothar Gans kamen zu Wort – und fürs ZDF stellten sich die VfL-Legenden Joe Enochs und Hansi Alpert zusammen an den Biertisch.

Der 77-jährige Alpert, der von 1951 bis 1963 das VfL-Trikot trug und in seiner besten Zeit zu Sichtungs-Lehrgängen bei Bundestrainer Sepp Herberger eingeladen wurde, zitierte den Bundes-Sepp, als er nach den Chancen des VfL gefragt wurde: „Herberger hat vor wichtigen Spielen gesagt: Jedes Spiel fängt bei 0:0 an – und wie es am Ende steht, das liegt an Euch.“

Am Montag war ein Team von Sky in der Stadt, drehte mit Henning Grieneisen und Dennis Schmidt. Außerdem war das DSF vor Ort, das sich mit Benjamin Siegert traf. Und am Dienstag wird noch mal das ZDF tätig werden, um den Vorbericht zu produzieren, der am Mittwoch in der Viertelstunde vor dem Anpfiff läuft. So viel lila-weiß wie in diesen Tagen war selten auf den Bildschirmen zu sehen.

Auf der Internet-Seite des DFB suchten wir am Montag nach dem Schiedsrichter der Partie (es ist der Berliner Manuel Gräfe, dazu später mehr) – und fanden ein langes Interview mit Karsten Baumann. In der Antwort auf die letzte Frage sagt er was zu seinen Bundesliga-Ambitionen – und da fällt doch tatsächlich der Name 1.FC Köln…

Also Gräfe pfeift. Der hochgewachsene Sportwissenschaftler aus Berlin ist ein etablierter Bundesliga-Schiedsrichter, dessen Karriere in der Regionalliga Nord begann. Dort legte er sich im März 2005 kräftig mit Trainer „Pele“ Wollitz, der sich über einen tatsächlich höchst fragwürdigen Platzverweis gegen Fabian Ewertz mächtig aufregte und von Gräfe auf die Tribüne verwiesen wurde. Das letzte Mal, dass sich Gräfe und der VfL begegneten, war am 13. April 2007 – da verlor der VfL mit 0:1 in Wilhelmshaven (!) nach einer grauenvollen Vorstellung.

Aber Gräfe leitete auch ein denkwürdiges Pokalspiel: Beim 2:1-Sieg des VfL gegen Borussia Mönchengladbach am 25. Oktober 2006 war der Berliner dabei. Als kleines Schmankerl hier die Seite aus der Neuen OZ mit den Berichten zum Spiel.

Für uns läuft der Countdown schon etwas länger. Und diesmal hielten sich die Vorwürfe in Grenzen, wir würden die Mannschaft in ihrer Konzentration auf den Punktspielalltag stören, wenn wir zu früh mit den Stories zum Pokal-Hit anfangen würden. Am Dienstag erzählen wir die Geschichte zum 5000-Euro-Angebot bei Ebay, am Dienstag fährt mein Kollege Alfons Batke rüber nach Gelsenkirchen zur offiziellen Pressekonferenz; vor dem Abschlusstraining hat er noch einen Interview-Termin mit Felix Magath.

Am Mittwoch werden wir unsere Vorschauseite mit einem Comic von unserem Zeichner Christoph Härringer (www.spottschau.com) illustrieren. Einzelheiten werden nicht verraten, doch soviel sei gesagt: Karsten Baumann, vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund als Asterix dargestellt, wird diesmal eine andere weltberühmte Comic-Figur sein.
Härringer-Comic
Mit Sportgruß!

hp

Teamgeist

15. Januar 2010

Von Alfons Batke

Das Wetter ist mies, nach dem Regen kommt der Sturm. Auf dem eigentlichen Trainingsplatz vor dem Hotel in Benahavis ist kein Training möglich, aber der VfL ist vorbereitet und absolviert eine zweistündige Einheit im benachbarten Estepona. Flexibilität ist angesagt, und das Team nimmt es ohne Murren hin.

Ich habe als Journalist schon einige Trainingslager mit unterschiedlichen Mannschaften in unterschiedlichen Ligen auf dem Buckel. Dieses Team  gefällt mir ausgesprochen gut, in ihm steckt Leben und Teamgeist. Es sind die Typen, die den neuen VfL ausmachen. Wie etwa Benjamin Siegert auf der kurzen Bus-Anreise nach Estepona, wo er unaufgefordert das Wort ergreift und sehr zur Belustigung der Besatzung erklärt, wo man sich gerade befindet. Stehgreif-Entertainment mit Niveau.

Während der Rückfahrt wird Co-Trainer Rolf Meyer aufs Korn genommen. Er ist so etwas wie der Zuchtmeister im Team, väterlicher Freund und Autoritätsperson zugleich. Er hat Spaß am Spaß, und eine Mannschaft, die am hellen Tag singt und klatscht, kann so schlecht nicht drauf sein. Als dann harter Techno durch den Bus dröhnt, forcieren auch Chef-Coach Karsten Baumann und sein Funktionsteam mit rhythmischem Klatschen die Stimmung.

Gute Laune während der Arbeit ist für die Produktivität nicht schädlich.

Notizen aus einem charmanten Bergdorf

13. Januar 2010

Von Alfons Batke

Als die Fußballer des VfL am Dienstagabend bei peitschendem Regen ihre erste Laufeinheit absolvierten, hatten sie noch keinen Blick für die Schönheit des Bergdorfes Benahavis. Auf einem mächtigen Mauerwerk mit 4 Zinnen wird der Gast willkommen geheißen – ,,Bienvenido a Benahavis“. Geschmackvoll, unaufdringlich.

Es wäre lohnend für die Profis, in der – freilich karg bemessenen – Freizeit einen Gang durch die engen Gassen des Ortes zu unternehmen. Hier tobt nicht das mondäne Leben Marbellas mit dem nie schlafenden Puerto Banus, hier geht es beschaulich zu. Orangenbäume säumen die Hauptstraße, wenn man die Calle Estepona so benennen will. Die Luft ist gefüllt von einem fast schon betörenden Knoblauchduft aus den zahlreichen Restaurants, für die Benahavis bekannt ist. Wie etwa das „Escuela“ oder ,,La Bodega“, selbst für die Freunde der irischen Kultur findet sich ein Pub mit dem Namen ,,The Spanish Arch“.

Im Prinzip also ein angenehmes Arbeitsumfeld für die Profis – nur sind sie nicht zum Urlauben hier, sondern ihres Berufes wegen. Mit dem wunderschön am Ufer des Flusses Guadalmina gelegenen Gran Hotel Benahavis hat der VfL einen guten Griff gemacht. Die Voraussetzungen scheinen zu stimmen. Und vielleicht finden die Herren Profis ja einige Momente der Muße, um über den Tellerrand des Fußballs hinaus zu schauen.

P.S.: Erste Bilder aus Spanien gibt es hier…