
Im Winter gibt es Eis zum Frühstück
Von Martina Grothe Osnabrück. Es ist Winter. Es ist kalt. Es ist oft stürmisch und feucht. Wir Menschen können uns gegen das Wetter wappnen. Der ein oder andere liebt diese Jahreszeit gar. Aber wie sieht es bei den Zootieren aus? Herrscht bei Giraffe, Elefant und Co. depressive Winterstimmung, oder mögen auch exotische Tiere das kalte Quartal?
Den Osnabrücker Zoo umgibt morgens um 9 Uhr eine angenehme Stille. Nur das Kreischen der rosaroten Flamingos lässt die wenigen Besucher wissen, dass der Tag im Zoo begonnen hat. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel, aber sie kann sich an diesem Februartag nicht gegen die winterliche Kälte durchsetzen.
Eine Schulklasse kreuzt den Weg nahe der Samburu-Anlage. Hier bietet sich den Besuchern um diese Zeit normalerweise ein Bild wie aus der Savanne. Giraffen, Zebras, Antilopen und Strauße schreiten, spielen, zanken, springen und rennen in einem bunten Miteinander auf der etwa zwei Hektar großen Anlage. Heute werden die Tiere aufgrund der niedrigen Temperaturen erst um elf Uhr bei fünf Grad Celsius ins Freie entlassen. Petra Kunze, die leitende Tierpflegerin der Samburu-Anlage, kennt ihre Pappenheimer, und sie weiß: „Auch wenn die Kälte den Tieren nicht schadet, sie stehen doch schnell am Schieber und wollen wieder rein in die etwa 16 Grad warmen Innengehege. Unsere afrikanischen Elenantilopen und Strauße müssen manchmal fast rausgeschubst werden, damit sie an die frische Luft kommen.“
Zebras sind weniger kälteempfindlich
| Giraffendame Ursula mit Giraffenjunges Kuntu. Foto: Michael Hehmann |
Die Zebras sind weniger kälteempfindlich. Wenn die Tiere aufgrund von Glatteis oder Kälte ihr Innengehege nicht verlassen dürfen, staue sich besonders bei ihnen die Energie, so Kunze. Länger als eine Woche habe sie eine solche Situation in ihrer 25-jährigen Laufbahn als Tierpflegerin zwar noch nicht erlebt, aber „wenn die Tiere länger stehen, müssen sich die Zebras erst einmal 15 Minuten lang richtig austoben.“
Langeweile beobachtet Kunze im Winter vor allem bei den Giraffen. „Sie sind sehr neugierige Tiere und die Besucher fehlen ihnen als zusätzlicher Anreiz.“ Da kann es vorkommen, dass Giraffenbulle Edgar sich ein bisschen zu intensiv mit seinem Stall beschäftigt und „schon mal Wasserleitungen abbaut und Stromkabel von der Decke holt“, erzählt Kunze. Viel Interaktion finde allerdings schon innerhalb der Herde statt. Auch Edgar, der von seinen Damen im Innengehege in der Regel getrennt lebt, darf ab und zu auf einen Besuch bei ihnen vorbeischauen, „wenn er gut drauf ist“, sagt Pflegerin Kunze.
Auch Humboldt-Pinguine frieren
Mit Langeweile haben die weit von den Giraffen entfernt lebenden Humboldt-Pinguine dagegen weniger zu kämpfen. „Unsere Pinguine gehen sehr früh auf Partnersuche. Sie haben teilweise ihre Nester schon fertig und warten auf das erste Ei“, erklärt Tierpflegerin Kirsten Bischoff. Die quirligen Tiere aus dem Westen Südamerikas müssen allerdings vor Kälte und Frost geschützt werden. Daher wird das Innengehege wie das der Samburu-Bewohner auf etwa 16 Grad beheizt. Wichtig sei, so Bischoff, dass der Unterschied nicht allzu groß zur Außentemperatur ist, da die Tiere sich sonst schneller Erfrierungen zuziehen oder an Lungenentzündung erkranken würden.
» Teil 1: Von Giraffen, Zebras und Pinguinen
» Teil 2: Von Affen, Raubtieren und Elefanten
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