
Schwerer Patzer gleich im ersten Interview als First Lady
Von Joachim Rogge
Paris.
Liebe auf den ersten Blick? So soll es gewesen sein. "Ich habe nicht gezögert. Ich hatte sofort Lust, ihn zu heiraten. Denn mit ihm an der Seite kann mir nichts passieren." Als Mann ihres Lebens beschreibt Carla Bruni Frankreichs Präsidenten. Eine Liebeserklärung in hoher Auflage war das gestern am Vorabend des Valentinstags, die vor allem das Ziel hatte, die grummelnden Franzosen mit dem schillernden Paar im Elysée wieder zu versöhnen. Dass der Versuch dann doch missglückte, lag an einem einzigen dummen Satz.
Seit gerade zwei Wochen bilden die zwei ein Ehepaar. Nicht leicht ist die Blitz-Hochzeit nach reichlich kurzer Probezeit für viele Franzosen, zumal für die älteren Semester, zu verdauen. Sie, bislang als Männer verschlingender Vamp berüchtigt, er als zweifach geschiedener Hallodri mit dem Hang zu protzigen Luxussymbolen sattsam bekannt: Brunis erstes Interview als neue "Première Dame de France" sollte das Bild korrigieren. "Ich bin 40 Jahre alt, ganz normal, ernsthaft und einfach, selbst wenn ich privilegiert bin", sagt die Tochter eines schwerreichen italienischen Industriellen. "Ich bin ehrlich, Mutter eines kleinen Jungen, ich schreibe Chansons, bin stolz und glücklich, die First Lady Frankreichs zu sein. Ich werde mein Bestes tun", versprach sie.Keine der bunten Hochglanzblätter, sondern das seriöse linke Magazin "L'Express" hatte Bruni für die Einblicke in ihr Seelenleben ausgewählt. In dezenter Strickjacke, mit weißem Hemd und dunkler Hose ließ sich die neue Madame Sarkozy, deren Haare auch noch mädchenhaft weich auf die Schultern fallen, für dieses Interview ablichten. Bilder voll verträumter Unschuld, die die jüngsten Nacktfotos in einem spanischen Männermagazin vergessen machen sollen. Ähnlich romantisch weichgezeichnet sind die meisten ihrer Aussagen. Sarkozy wolle sie treu bleiben, verspricht Bruni. "Ich bin von italienischer Kultur geprägt und mag keine Scheidungen." First Lady bis zum Ende seines Mandats und "Ehefrau bis zum Tod". Selbst den Elysée, von den Vorgängerinnen abschätzig als "goldener Käfig" beschrieben, nennt sie einen "heimeligen Kokon". Der süße Honig sollte den Franzosen gut bekommen. Denn Sarkozy rutscht in den Umfragen dramatisch ab. Mehrere Tage hatten Bruni und ihr journalistisches Gegenüber an diesem Interview gefeilt, dessen Inhalt überdies noch Wort für Wort vom Elysée-Stab auf politisch Heikles abgeklopft worden war. Den Fehler beging Bruni, als das Gespräch auf die Klage gegen das Nachrichtenmagazin "Le Nouvel Observateur" kam. Dessen Website hatte berichtet, Sarkozy habe eine Woche vor der Hochzeit mit Bruni eine SMS an seine Ex-Frau Cécilia geschickt, in der er dieser mit den Worten "Wenn du zurückkommst, sage ich alles ab" die Rückkehr anbot. "Wo wären wir beim Denunzieren der Juden hingekommen, wenn diese Art von Websites während des Krieges existiert hätte?", meinte Bruni. Empörte Reaktionen waren die Folge: Gestern entschuldigte sich Madame Sarkozy: "Sollte ich jemanden verletzt haben, tut mir das sehr leid."
|