
Schalke kann kommen
Von Harald Pistorius und Benjamin Kraus
Ingolstadt.
Der VfL macht’s wie Schalke: Mit einem schmucklosen, aber wertvollen 0:0 hat der Fußball-Drittligist sich auf den Pokal-Knüller am Mittwoch (20.30 Uhr) eingestimmt. Und wie die Schalker sind die Osnabrücker seit sieben Punktspielen ungeschlagen. Der Countdown für das große Spiel ist perfekt gelaufen – Schalke kann kommen . . .
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| Spitzentanz: Björn Lindemann wehrt sich im Laufduell mit Malte Metzelder. Fotos: Helmut Kemme |
Der Spielrhythmus ist da. Als der Winter hereinbrach, musste man einen Kaltstart gegen Schalke befürchten. Doch dank der Rasenheizungen in Osnabrück und in Ingolstadt sowie des unbedingten VfL-Willens, trotz des Personalnotstandes gegen Offenbach anzutreten, ist das Team von Trainer Karsten Baumann ins Rollen gekommen. Diese Wettkampfpraxis ist viel wert, zumal die Mannschaft wie schon vor der Winterpause in bestem Fitness-Zustand ist. Wenn dann noch – wie geplant – morgen im Stadion trainiert werden kann, sind die Weichen gestellt. Die Abwehr steht. In den drei letzten Punktspielen kassierte der VfL – trotz diverser Personalsorgen – keinen Treffer, mit nur 21 Gegentreffern (in 22 Spielen) ist der VfL Spitze in der 3. Liga. In Ingolstadt lieferte die Innenverteidigung mit Nickenig und Stang eine grundsolide Leistung ab, die Gefahr kam zumeist von den Flügeln, wo Herrmann und Tauer Anfangsschwierigkeiten hatten, sich dann aber steigerten. Der Ausfall von Abwehrchef Angelo Barletta, der auch gestern nicht trainieren konnte, ist besser kompensiert worden als erwartet. Weil auch im Mittelfeld offensivstarke Spieler wie Hansen, Lindemann oder Pinheiro die Defensiv-Arbeit nicht vernachlässigen, wird gegnerischer Druck früh entschärft. Und: Torwart Berbig ist stark wie nie, strahlt Ruhe aus und hält schwere Bälle. Das Selbstvertrauen ist da: Die Mannschaft wirkt weiter gefestigt, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass der schon oft gelobte Teamgeist durch die Verpflichtungen von Tauer und Pinheiro gelitten hat. Beide wurden schnell integriert, fühlen sich wohl und erhöhen die taktischen Möglichkeiten. „Warum sollen wir nicht auch Schalke schlagen?“, fragt Nickenig, „Jetzt baut sich die Vorfreude auf dieses Spiel aus.“ Die Mannschaft weiß, was sie kann, hat sich mit dem guten Rückrundenstart Sicherheit gegeben. „Wir haben nichts zu verlieren, das wird ein geiles Spiel“, sagt Lindemann. Das Glück ist beim VfL: „Am meisten imponiert mir an meiner Mannschaft der Teamgeist – und, dass sie niemals aufgibt“, sagte Trainer Baumann. Tatsächlich scheint der Siegeswille unbeugsam, nicht durch Verletzungen oder Sperren, nicht durch Rückstände oder Wettskandal-Schlagzeilen. Vielleicht wird der VfL deshalb gelegentlich vom Glück belohnt. In Ingolstadt, wo die Gastgeber in der ersten Halbzeit deutlich engagierter und überlegen waren, war dieses Quäntchen Fortune hilfreich; festzumachen an der Szene kurz vor Schluss, als Nickenig bei seinem beherzten Rettungsversuch gegen Demir den Ball an die Hand bekam: Berbig konnte den Schuss aus kurzer Distanz halten, Schiedsrichter Winkmann wertete die Aktion nicht als Regelverstoß. Am Ende stand ein etwas schmeichelhafter Punktgewinn. Dass die Mannschaft nicht nahtlos an die Offenbach-Leistung anknüpfte, hatte für Baumann weniger mit der viel zitierten Auswärtsschwäche, sondern mit dem nächsten Gegner zu tun: „Einige hatten Schalke im Hinterkopf, das ist doch verständlich.“ Also: Schalke kann kommen – oder besser: Es wird Zeit, dass Schalke kommt...
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