
Cichon gibt zu: Ich sollte manipulieren
hp Berlin.
Kurz vor Weihnachten wich er auf Rat seines Rechtsanwalts den meisten Fragen zum Wettskandal aus. Jetzt gibt Thomas Cichon zu, dass ihn – ebenso wie seinen damaliger Teamkollege Marcel Schuon – in der letzten Saison ein tatverdächtiger Wettbüro-Betreiber zur Manipulation von Spielen des VfL Osnabrück überreden wollte.
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| Kämpft gegen den Vorwurf der Spielmanipulation: Thomas Cichon. |
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Foto: Kemme
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„Zwei Stunden vor Spielbeginn erhielt ich eine SMS, in der mich einer der jetzt Inhaftierten fragte, ob ich bereit sei, das Spiel (in Nürnberg, die Red.) zu verkaufen“, sagt Cichon in einem Interview in der morgen erscheinenden neuen Ausgabe des Magazins „11Freunde“. Darin betont der Ex-Abwehrchef, dass er nie manipuliert habe: „Ich habe nie in meinem Leben Geld dafür bekommen, um absichtlich schlecht zu spielen bzw. absichtlich ein Spiel zu verlieren.“Cichon gibt zu, das er regelmäßig auf Fußballspiele gewettet hat; das belegen auch die zahlreichen SMS-Kontakte zwischen dem in Lohne verhafteten und noch in Untersuchungshaft sitzenden Nürettin G. 389 Kurzmitteilungen hat Cichon mit dem Verdächtigen zwischen dem 6. Januar und dem 23. April ausgetauscht. „Die Abwicklung durch SMS machte die Sache sehr einfach, denn es ging ja nie Bargeld durch die Hand. Und mit den verlorenen Wetten stieg auch der Schuldenstand“, berichtet der 33-Jährige von dem Weg in die Schuldenfalle, aus der ihn der VfL mit einem Vorschuss von 20000 Euro befreite. Diese Phase schildert Cichon im Interview mit „11Freunde“ so: „Es kam der Tag, an dem der Betrag der Wettschulden zu begleichen war. Dies konnte ich nicht, also wurden mir zwielichtige Angebote unterbreitet.“ Ob er dabei – so wie es Schuon für sich ausgesagt hat – ebenfalls bedroht wurde, will Cichon nicht sagen: „Nur so viel: Mir war sofort klar, dass ich handeln muss: Ich habe noch am gleichen Tag ein Gespräch mit dem Verein geführt, und wir haben gemeinsam einen Weg zur Lösung des Problems gefunden.“ Über die Kontakte in die Wettszene lässt sich der jetzt in Südafrika aktive Profi aus; Cichon schätzt, das 75 bis 80 Prozent der in Deutschland tätigen Fußballprofis regelmäßig wetten. Er selbst habe vor allem in einem Wettbüro in Bahnhofsnähe Wetten platziert und dabei auch Nürettin G. kennengelernt: „Ehrlich gesagt, habe ich anfangs nicht geglaubt, dass es sich um Kriminelle handeln könnte; diese Leute machen auf den ersten Blick einen Anschein wie du und ich. Eine Standardfrage von einem lautete: Hast du gute Spiele? Damit meinte er nur, ob ich ihm Tipps geben kann, worauf er wetten soll. Da hat er insofern mein Know-how als Profi abgefragt.“
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