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August 2009 21.08.2009
-

Darauf schwört Sprint-Superstar Bolt

Von Hendrik Steinkuhl
Wallenhorst/Bramsche.
Milch macht feste Knochen, Möhren machen gute Augen, und Yams macht schnelle Beine. Wenn Sprintstar Usain Bolt Fabel-Weltrekorde aufstellt, läuft in seinem Schatten der Dopingverdacht immer mit. Der Vater des Jamaikaners erklärt die unglaublichen Zeiten dagegen mit reiner Wurzelkraft: Es liege ausschließlich an der Yams, auf Jamaika in etwa so beliebt wie hier die Kartoffel. Tobias Hartkemeyer freut sich über die Werbung für sein Produkt: Der Bramscher gehört zu den ganz wenigen Landwirten in Deutschland, die die Yams-Wurzel anbauen.

Experimentierfreudig: Tobias Hartkemeyer mit zwei Yams-Wurzeln aus dem vergangenen Jahr. Die neuen Knollen erntet er im kommenden Monat. Auf dem Hörnschen Knapp baut er die Pflanzen auf 7000 Quadratmetern an. Fotos: Hendrik Steinkuhl
Experimentierfreudig: Tobias Hartkemeyer mit zwei Yams-Wurzeln aus dem vergangenen Jahr. Die neuen Knollen erntet er im kommenden Monat. Auf dem Hörnschen Knapp baut er die Pflanzen auf 7000 Quadratmetern an. Fotos: Hendrik Steinkuhl
Schuld hat ein Freund, der Tobias Hartkemeyer zu seiner Hochzeit vor drei Jahren einen Korb voller Yams vor die Füße stellte. „‚Mach mal was damit‘, hat er zu mir gesagt.“

Hartkemeyer hat an der Uni Kassel-Witzenhausen Agrar-Wissenschaft studiert und ist inzwischen auch promovierter Landwirt. Der Anbau anspruchsvoller Pflanzen und „prozessorientierte Qualität“ hätten ihn schon immer interessiert, sagt der 31-Jährige; der Freund wusste wohl davon.

Bei seiner Yams-Forschung wurde Hartkemeyer zunächst durch ein Existenzgründerprogramm des Entwicklungs-Ministeriums gefördert. Finanzielle Unterstützung hatte der junge Öko-Landwirt damals auch dringend nötig, denn bis er die richtige Anbautechnik für den Yams gefunden hatte, vergingen Monate. „Das Problem besteht darin, dass der essbare Teil der Wurzel bis zu einen Meter tief in die Erde wächst.“ Die Ernte der Yams wird dadurch zu einer mühsamen Ausgrabung, die Tobias Hartkemeyer vermeiden wollte.

Vielversprechend erschien ihm deshalb zunächst das Modell „Schützengraben“, bei dem er die Setzlinge in Mutterboden legte, der auf losen Brettern verteilt war, die wiederum einen Luftschacht abdeckten. Die Yamswurzel dankte ihm so viel Kreativität, indem sie sich im Schacht krümmte und seitlich wieder in die Erde wuchs.

Weil Yams schon seit Jahrhunderten in China gegessen und als Heilmittel verwendet wird, versprach sich Hartkemeyer Hilfe aus chinesischen Lehrbüchern zum Yams-Anbau. Er ließ Texte übersetzen und erfuhr zu seiner Beruhigung, dass die Chinesen alle noch so verrückten Ideen, die ihm in den Kopf gekommen waren, auch hatten. Einen Vorschlag, der die mühsame Ernte verhindert hätte, hatten die Bücher aber nicht zu bieten; dafür Methoden zur Schädlingsbekämpfung, die nur aus China kommen können: „In einem Buch stand, man solle einfach Gift in der Erde vergraben.“

Abseits aller ökologischen Vorbehalte sei das auch eine ziemlich überflüssige Methode: „Ich sehe ständig irgendwelches Unkraut, das der Mehltau dahingerafft hat, aber die Yams daneben interessiert das überhaupt nicht.“

Widerstandsfähig ist die Wurzel also. Um sie nach knapp vier Monaten Wuchs auch ohne Scharen von Helfern ernten zu können, hat Tobias Hartkemeyer mittlerweile die richtige Methode gefunden: Erd-Dämme, wie man sie von Spargelfeldern kennt. Darüber sprießen die Ranken der Yamswurzel, die unterirdisch völlig freies Spiel haben und oberirdisch bei wildem Wuchs ein wenig gehalten werden möchte. Nur so, sagt der Bauer, bekomme man die beste Qualität.

Im nächsten Monat ist die Yams reif. Zwei bis drei Tonnen wird Hartkemeyer auf den Flächen auf dem Hörnschen Knapp im Grenzgebiet von Wallenhorst und Pente ernten, und fast alles verkauft er nach Süddeutschland, wo es einen kleinen Markt für die Knolle gibt. Den Rest mahlt, zerhackt und zerreibt Tobias Hartkemeyer im Dienste der Forschung. Nach Ablauf der Existenzgründerhilfe untersucht er die Yams jetzt für das Bundesprogramm Ökolandbau auf seine Fähigkeiten als Back- und Teigwarenzusatz. Zwischenfazit: Yams macht nicht nur schnell – Yams macht auch locker. Tobias Hartkemeyers Vater Johannes, bis vor Kurzem Chef der Osnabrücker Volkshochschule, backt mithilfe einer Handvoll Yams-Chips laut eigener Auskunft die luftigsten Vollkornbrote. Sein Sohn schwärmt von den leckeren Yams-Puffern, die dank der schleimigen Konsistenz der geriebenen Wurzel keine Eier oder ähnliche Bindemittel brauchen.

Die Vorzüge der Yams sind zahlreich: in der Küche vielfältig einsetzbar, kurze Garzeit, reich an Nährstoffen, entzündungshemmende Eigenschaften, wirkt zellerneuernd, senkt den Cholesterinspiegel. Ob Yams tatsächlich die sportliche Leistung fördert, ist keine Frage, mit der sich Hartkemeyer beschäftigt. Er hat Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM auch noch nicht laufen sehen; im Moment ist der Landwirt vor allem mit dem Ausbau seines Wohnhauses beschäftigt. Heute und morgen wäre Gelegenheit, den Wunderläufer zu erleben, wenn er mit der Staffel antritt.

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